Einzeltermin

05.07.12 21:00 Alter: 321 Tage

Pimało

 

Was macht gute Musik aus? Ist gute Musik immer auch exklusiv, automatisch sozusagen? Besonders? Überraschend vielleicht? Am Ende des Tages sogar erfolgreich? An welchen Maßstäben bemessen wir, die Veranstalter, die Konzertbesucher, die Hörer eigentlich Erfolg?


Mario Alsleben alias Pimało [sprich: pi‘mawo] kommt aus Thüringen, was in Sachen künstlerischer Erfolg und Publikumsgunst sicher nicht die schlechteste Voraussetzung ist. Und es gibt weitere Pfunde zum wilden Wuchern auf dem Markt der Möglichkeiten: Erfahrung. Seit rund 20 Jahren bespielt der noch immer junge Mann seine Gitarren und die danken es ihm hörbar.
Gute Sozialisierung also, viel Erfahrung, okay, aber was ist mit Talent und vor allem einer profunden Ausbildung? Ja, ja und nochmals Ja. Jaaa! An der Music Academy in der Stadt der Engel, der wahrscheinlich amerikanischsten aller Städte der neuen Welt, wurde er ausgebildet; sein überbordendes Talent, seine unbezwingbare Leidenschaft und seine Lust auf Musik vermochte diese Zeit zu erden, in die richtigen Bahnen zu lenken.

Noch immer entzieht sich Pimało erfolgreich Schubladen. Natürlich ist es Pop, irgendwie. Natürlich ist dieser Künstler ein Songwriter, wie er klassischer nicht sein könnte; ein Geschichtenerzähler, Melodienfinder, Herzensbrecher und -zusammenkleber. Ebenso selbstverständlich wie natürlich hat Pimało auch das stimmliche Potenzial, das es braucht, um Menschen zu suchen, zu finden, zu halten.

Optisch erinnert der Thüringer an Americana-Legende Steve Earle, musikalisch manchmal auch. Weil die Schubladen aber eben irgendwie klemmen, sich nicht öffnen und vor allem nicht schließen lassen, bleibt die Vielseitigkeit größter Trumpf des Pimało; keine Neuerfindungen, keine stilisierte Vielfalt, dieses Künstlerherz verlangt schlicht nach mehreren Zu- und Abläufen. Im Rahmen seiner Band (dann als Pimało & Band) wird dieser besondere Sound von exakt zwei weiteren Jungs umgesetzt, eine kleine, aber keineswegs schmalbrüstige Kapelle. Schlagwerker Pit Marquardt sorgt für perkussiv gehaltene Grooves, Bassmann Manuel Steinhoff verblüfft zudem mit überraschenden Flächen und Synthitupfern. Das Ergebnis: Harmonie, Druck, knackige Unterbauten.

Und wie war das noch mit dem Erfolg? Von Pimało sind keine bunten Homestories bekannt, keine lustigen Clips auf einschlägigen Sendern, keine ausverkauften Gastspiele in Hallen mit schnieken Beinamen und auch keine Goldene oder zumindest vergoldete Schallplatten. Tatsächlicher Erfolg lässt sich nicht nur an Marketingbudgets, vermeintlichen Majordeals und schlimmsten Rotationen in Hitradios bemessen. Manchmal entscheiden 50 faszinierte Besucher am Abend, mitunter sind es 120 gefangene Herzen, die über den Erfolg der drei begeister(n)ten Musiker auf der Bühne befinden. Und die lieben es, auf den Bret-tern zu stehen, die die vielzitierte Welt bedeuten. Ihre Kunst erfüllt diesen Anspruch längst, Note für Note, Herzschlag für Herzschlag.